"KlezCompany" spielt gegen das Virus


GLADENBACH-WEIDENHAUSEN. Es sollte das erste Konzert überhaupt werden, das die vor wenigen Wochen neu gegründete "KlezCompany" in der evangelischen Kirche Weidenhausen geben wollte. Doch dann kam den fünf Musikern, die aus allen Teilen Deutschlands und sogar Großbritannien stammen, ein Virus dazwischen.

 

"Bis einen Tag vor dem Konzert haben wir noch Pläne gemacht, wie wir die Leute trotz Corona in der Kirche verteilen könnten", erzählt Kontrabassistin Sabine Döll. "Mit jeweils einem Meter Sicherheitsabstand hätten wir dann rund 200 Personen in die Kirche bekommen", schildert sie die Überlegungen der Gruppe.

 

Am Abend wurden diese jedoch obsolet: Per Verfügung untersagte der Landkreis öffentliche und private Veranstaltungen, zu denen mehr als 50 Personen erwartet werden. "Damit war das Konzert endgültig gestorben", sagt Döll.

 

 

Weil sie und ihre Kollegen aber nun schon einmal in Weidenhausen waren und dort in den vergangenen Tagen auch geprobt hatten, beschlossen sie, es James Blunt gleichzutun, der wenige Tage zuvor vor den leeren Zuschauerrängen in der Hamburger Elbphilharmonie ein Konzert gegeben hatte. Während dessen Auftritt live im Internet gestreamt wurde, nutzten die Musiker der "KlezCompany" die Konzertabsage indes dafür, in der Kirche Bild- und Tonaufnahmen ihrer Stücke zu machen. Das war auch ein Grund dafür, warum sich die Musiker aus Erfurt, Bonn, Hannover und sogar London für die Weidenhäuser Kirche als Austragungsort ihres

Premierenkonzerts entschieden haben, erklärt Pfarrer Axel Henß. "Frau Döll kommt aus Günterod und kennt die Weidenhäuser Kirche vom Einschulungsgottesdienst ihres Sohnes. Viel Platz und eine sehr gute Akustik" begeisterten immer wieder Musiker. Außerdem spiele Musik im Leben und auch dem Glauben eine wichtige Rolle, betont Henß. "Deswegen öffnen wir Musikerinnen und Musikern immer wieder gerne die Türe, wenn sie bei uns spielen wollen."

 

"Die Idee hinter "KlezCompany" ist es, einen Stamm an Musikern zu haben, der ganz flexibel zusammengewürfelt werden kann - je nachdem, welcher Anlass ansteht", erklärt Sabine Döll das Konzept das Ensembles, das insgesamt 15 Musiker umfasst. Diese verfügten alle über 20, teilweise sogar 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Klezmer-Musik.

 

Weil die Mitglieder der Company aus ganz Deutschland und teilweise sogar dem europäischen Ausland kommen, gebe es in der Regel keine gemeinsamen Proben, verrät Döll weiter.

 

"Jeder Musiker spielt und lernt die Stücke zunächst für sich alleine." Erst wenn ein Auftritt anstehe und sich die Gruppe dafür zusammengefunden habe, würden zwei oder drei gemeinsame Proben durchgeführt. "Das setzt natürlich ein hohes Maß an Professionalität und gegenseitiges Vertrauen voraus", erklärt sie.

 

„Aber auf diese Weise sei die Gruppe extrem flexibel. Jeder Musiker kann sich zu einem bestimmten Anlass seine Truppe aus dem Pool selbst zusammenstellen und dann mit dieser auftreten."

 

Ganz unbeschwert konnten die Musiker der "KlezCompany" ihre Aufnahmen freilich nicht genießen. "Einige von uns machen diesen Job hauptberuflich. Bei denen hängt jetzt tatsächlich die Existenz daran, wie es weitergeht", erzählt Sabine Döll. Alle Konzerte - egal wie groß oder klein - seien auf unbestimmte Zeit erst einmal abgesagt - und mit ihnen die Einnahmequellen der Musiker. Glücklich könne sich da schätzen, wer noch weitere Standbeine habe - etwa als Musiklehrer. "Da kann man dann zumindest versuchen, die Schüler einzeln zu bestellen", sagt Döll. Ob sie kommen, sei dann wieder eine andere Frage.

 

Döll erinnert die derzeitige Situation ein wenig an die Tage nach den Anschlägen am 11. September 2001. "Ich glaube, das war auch so ein Moment, in dem man das Gefühl hatte, dass die Erde irgendwie umkippt", erzählt sie. Aber genauso wie das Leben damals weiterging, werde es auch diesmal weitergehen. Nur, dass diesmal viel mehr Menschen direkt betroffen sind und die Auswirkungen am eigenen Leib zu spüren bekommen. Dennoch versuchen die Musiker das Beste aus ihrer Lage zu machen, wobei ihnen ihre Musik sicherlich hilft.

 

Mit dem typischen, bisweilen beschwingt-dynamischen Klang der Klezmer-Musik, deren Ursprünge in der jüdischen Tanzmusik liegen, stemmte sich das Quintett bei den Aufnahmen in Weidenhausen denn auch gegen die Folgen der Corona-Epidemie. Ein Stück Frohsinn in Zeiten, in denen das Lachen vielen schwerfällt.

 

Von Sascha Valentin

 

Quelle: Mittelhessen.de

16.3.20